Sanierung der unteren Salzach, Machbarkeitsstudie „Flussbauliche Sanierung mit Minimalmaßnahmen im Freilassinger Becken“.

Projektbeginn: Januar 2017
Voraussichtliches Projektende: Ende 2017

Begründung und Zielsetzung

Die Regulierung der Salzach zwischen 1860 und 1890 und der Bau zahlreicher Kraftwerke und Wildbachsperren im Einzugsgebiet, in denen Kies (der Flussbauer spricht von „Geschiebe“) zurückgehalten wird, führten dazu, dass sich die Salzach in ihrem Unterlauf – insbesondere bei Hochwasser – zunehmend in die Tiefe gräbt. Im Freilassinger Becken, also von Salzburg bis Laufen/Oberndorf beträgt diese Eintiefung in den letzten 100 Jahren zwischen 2 und 4 Meter. Im Rahmen des grenzübergreifenden Projektes „Sanierung der Unteren Salzach“ planen Bayern und Österreich Maßnahmen, um eine weitere Eintiefung zu verhindern, da ansonsten Mauern, Deiche und Brücken entlang der Salzach durch Unterspülung der Fundamente gefährdet sind und Auwälder mehr und mehr austrocknen.

Zur Stabilisierung des Flussbettes entstand daher 2009/2010 etwa 3 Kilometer südlich von Laufen/Oberndorf eine Sohlrampe. Ursprünglich war der Bau einer zweiten gleichartigen Rampe weitere 3,5 Kilometer flussaufwärts vorgesehen. Einer Untersuchung der Universität Stuttgart zum Geschiebetransport zufolge, ist dies jedoch nicht erforderlich. Danach wird sich die Sohle bis hinauf zur Mündung der Saalach ausreichend stabilisieren, wenn – wie in den vergangenen Jahren erreicht – aus Salzach und Saalach genügend Kies nachgeliefert wird. Jedoch empfiehlt die Universität Stuttgart, die Kiessohle in diesem Bereich zu stärken. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, in der Möglichkeiten hierzu geprüft und bewertet werden sollen.

Projektausführung

Grundidee ist, das bayerische Ufer auf einer gewissen Breite abzusenken und das anfallende Kiesmaterial in die Salzach einzubringen, wie hier schematisch dargestellt:

Für die Maßnahme steht maximal ein rund 30 bis 50 Meter breiter Grundstücksstreifen im Eigentum des Freistaats Bayern zur Verfügung. Durch die Anhebung der Sohle erhöht sich die Sicherheit dagegen, dass sich der Fluss bei Hochwasser schlagartig in tiefer liegende weiche Bodenschichten eingräbt. Gleichzeitig steigt der Grundwasserstand, was den Wasserhaushalt der Aue verbessert. Ergänzend sieht das Wasserwirtschaftsamt vor, im Uferbereich Störsteine, Wurzelstöcke und dergleichen einzubauen. Diese strukturellen Maßnahmen kommen in erster Linie den Fischen zugute. Bei der Planung ist ferner zu berücksichtigen, dass sich die Hochwassergefährdung für Siedlungsbereiche und Verkehrswege nicht verschlechtern darf. Auch gilt es, Verluste von Auwaldflächen und Eingriffe im Natura 2000-Gebiet in den Salzachauen abzuwägen.

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie werden mehrere Varianten entwickelt, die die genannten Zielsetzungen erfüllen. Sie werden hinsichtlich ihrer technischen und rechtlichen Umsetzbarkeit sowie ihrer Kosten bewertet und miteinander verglichen. Zu klären ist insbesondere, inwieweit der Uferabtrag maschinell erfolgt oder nur die bestehende Ufersicherung beseitigt wird. Außerdem, wie der Schutz des neu entstandenen Ufers beschaffen sein muss, damit der Fluss nicht ungewollt „ausbricht“.

Die Machbarkeitsstudie wird seit Januar 2017 von der Planungsgemeinschaft „Mensch und Natur, Salzach im Gleichgewicht“ bearbeitet, die unter anderem auch die Variantenuntersuchung für die Sanierung im Tittmoninger Becken erstellt hat. Um bereits von vorneherein die rechtlichen Randbedingungen zu berücksichtigen, fanden bereits erste Abstimmungen mit der Wasserrechtsbehörde, der Unteren Naturschutzbehörde (beide am Landratsamt Berchtesgadener Land), der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern und dem Forstamt Traunstein statt.

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, das Ende 2017 vorliegen soll, fließt in die Abstimmung zum weiteren Vorgehen im Freilassinger Becken zwischen den bayerischen und österreichischen Projektpartnern ein. Die Kosten für die Studie werden sich auf rund 200.000 Euro belaufen. Erst nach gemeinsamem Beschluss der deutsch-österreichischen Gewässerkommission wird die Planung gegebenenfalls konkretisiert.