Sanierung Hochwasserschutzdeich Bad Reichenhall

Projektbeginn: 2014
Voraussichtliches Projektende: 2018

Die Stadt Bad Reichenhall liegt am Unterlauf der Saalach, einem Gewässer erster Ordnung, das im österreichischen Saalbach-Hinterglemm entspringt und nördlich von Salzburg in die Salzach mündet. Im Stadtgebiet von Bad Reichenhall fließt die Saalach nach dem Ausfluss aus dem Saalachsee zunächst nach Norden und weiter entlang der bestehenden Bebauung in nordwestlicher Richtung.

Bei Hochwasserführung der Saalach sind Teile des Stadtgebiets von Bad Reichenhall durch Überschwemmungen bedroht. Besonders betroffen ist der Bereich an der Saalachstraße und der Grabenbachstraße am nordwestlichen Stadtrand. Zum Schutz der Bebauung wurde in den Jahren 1873 - 1918 im Zusammenhang mit der Korrektion der Saalach ein ca. 2 km langer Hochwasserschutzdeich errichtet. Er verläuft am rechten Ufer der Saalach zunächst unmittelbar am Rand der Bebauung entlang der Saalachstraße und weiter in einem schmalen Waldstreifen zwischen der Saalach und der Loferer Straße (Bundesstraße B 20). Der bestehende Deich schützt rund 150 Wohngebäude und ca. 80 Gewerbebetriebe mit rund 300 Arbeitsplätzen.

Aufgrund seines hohen Alters und seiner konstruktiven Gestaltung entspricht der Deich nicht mehr dem Stand der Technik und insbesondere nicht den aktuellen Vorgaben der DIN 19712. Seine Höhe reicht zudem nicht aus, um den angestrebten Schutz der angrenzenden Bebauung vor einem 100-jährlichen Bemessungshochwasser einschließlich eines Klimazuschlags von 15 % zu gewährleisten. Der bestehende Deich ist nicht überströmungssicher gestaltet. Berücksichtigt man zusätzlich die Freiborddefizite und weitere konstruktive Mängel, besteht bei größeren Hochwasserereignissen nicht nur entlang der Loferer Straße sondern nahezu auf der gesamten Strecke die Gefahr einer Deichüberströmung. In der Folge davon kann es durch Oberflächenerosion zu Deichbrüchen kommen, so dass Wasser in großem Umfang in bebaute Gebiete vordringen wird und dort erhebliche Schäden verursachen kann.

Um die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten derartiger Situationen zu reduzieren, ist eine Sanierung oder ein Neubau der Hochwasserschutzbauwerke unumgänglich. Damit sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass bebaute Bereiche entlang des Deichs sicher vor den Auswirkungen eines Bemessungshochwassers geschützt sind.

Die vor Ort gegebenen Randbedingungen sind im Hinblick auf den Bau von einfachen Hochwasserschutzdeichen als schwierig einzustufen. Neben den bereichsweise sehr beengten Verhältnissen ist z.B. die Lage der Schutztrasse innerhalb oder am Rand eines Waldgebiets zu nennen. Direkt unter dem bestehenden Deichkörper und parallel dazu verlaufen zudem sensible Ver- und Entsorgungsleitungen. Unter diesen Bedingungen ist es kaum möglich, einen klassischen Erddeich nach den Vorgaben der DIN 19712 herzustellen.

Unter Berücksichtigung technischer, naturschutzfachlicher und wirtschaftlicher Aspekte ist stattdessen geplant, überströmbare Deiche mit statisch wirksamer Innendichtung bzw. Hochwasserschutzwände mit seitlichen Erdanschüttungen herzustellen. Soweit dies möglich oder technisch sinnvoll ist, werden die Schutzbauwerke abweichend von der derzeitigen Lage des Deichs an den Rand des tatsächlich zu schützenden Gebiets verlegt. Dadurch wird das Vorland der Saalach bei seltenen Hochwasserereignissen breitflächiger als bisher überflutet, so dass ein größerer Retentionsraum zur Verfügung gestellt wird. Am luftseitigen Rand der Bauwerke soll zudem eine Sickerwasserdränage angeordnet werden, um zu verhindern, dass die zu schützenden Bereiche im Hochwasserfall durch zutage tretendes Qualmwasser beeinträchtigt werden.