Erneuerung von vier Wildbachsperren im Tiefengraben in der Gemeinde Inzell

Projektbeginn:Juni 2016
Projektende: März 2017

Im Bereich des Ortsteiles Hutterer der Gemeinde Inzell werden von Oktober 2016 bis März 2017 derzeit vier Absturzbauwerke – sog. Wildbachsperren - erneuert. Die Baumaßnahme war notwendig, weil die vorhanden Holzbauwerke auf Grund ihres Alters keine ausreichende Standsicherheit mehr aufwiesen und deshalb bei Hochwasser ein Bruch der Bauwerke zu befürchten war. Eines der vier zu erneuernden Bauwerke war bereits bei einem der letzten Hochwasserereignisse durchgebrochen (s. Bilder 2 und 3).

Einsturzgefährdete HolzkastensperreBild vergrössern Einsturzgefährdete Holzkastensperre

Der Tiefengraben mit seinen Quell- und Seitenbächen ist oberhalb des Ortsteiles Hutterer wildbachtechnisch stark verbaut. Die rund 60 vorhandenen Querbauwerke verhindern eine Eintiefung der Bachsohle und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der seitlichen Einhänge. Aufgrund des geologisch instabilen Einzugsgebietes – es herrschen besonders verwitterungs- und erosionsanfällige Gesteine vor – müsste bei einem Versagen der vorhandenen Querbauwerke im Hochwasserfall mit der Mobilisierung erheblicher Feststoffmengen und gegebenenfalls murartigen Abflüssen gerechnet werden, die in den Siedlungsbereichen zu Schäden führen könnten.

Mit der Baumaßnahme wurde die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Wildbachbauwerke gesichert, bzw. wiederhergestellt und damit der vorhandene Schutz der angrenzenden Siedlungsbereiche auch weiterhin sichergestellt.

Mit der Bauausführung wurde Mitte Oktober 2016 begonnen. Bis zum Jahresende 2016 konnten drei Bauwerke fertiggestellt werden.

Neu errichtete WildbachsperreBild vergrössern Neu errichtete Wildbachsperre
Die vierte und letzte Sperre wurde im Februar und März 2017 erneuert. Die Baumaßnahme wurde in den Wintermonaten durchgeführt, weil im Frühjahr aufgrund der Schneeschmelze mit einer erhöhten Wasserführung gerechnet werden muss, was die Bauarbeiten erheblich erschwert oder sogar unmöglich gemacht hätte. Um die Wildbachsperren im Gewässerbett möglichst im Trockenen errichten zu können, ist eine Wasserhaltung erforderlich, d.h. das Bachwasser muss während der Bauarbeiten über eine Rohrleitung an der Baustelle vorbei geleitet werden. Dies ist aufgrund der begrenzten Leistungsfähigkeit von Rohrleitungen nur bei einer entsprechend geringen Wasserführung im Bachbett möglich. Die ursprünglich aus Holz bestehenden Absturzbauwerke wurden durch Drahtschotterbauwerke, auch Gabionensperren genannt, ersetzt. Die Sperren werden aus Drahtkörben aufgebaut und unmittelbar vor Ort mit Schroppen (grobem Schotter) befüllt. Um ein Aufreißen der Drahtkörbe durch mitgeführtes Geröll zu verhindern,wurden die Sperrenbauwerke im Bereich der Bachsohle mit einer Abdeckung aus Lärchenholz geschützt (s. Bild 1). Drahtschotterbauwerke stellen eine kostengünstige und wirtschaftliche Bauweise dar, die sich aufgrund der verwendeten weitgehend natürlichen Baustoffe und den Verzicht auf Beton gut in die natürliche Gewässerlandschaft einfügt und durch die vorhandenen Hohlräume einen Lebensraum für Kleintiere und Pflanzen bietet. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf rd. 300.000.- €