Hochwasserschutz Unterwössen

Unterwössen besaß keinen ausreichenden Schutz vor Hochwasser der Tiroler Achen und des Wössener Bachs. Durch zwei Hochwasserereignisse 2002 und 2005 wurde die Notwendigkeit eines entsprechenden Hochwasserschutzes offensichtlich. Durch eine Kombination aus Hochwasserentlastung des Wössener Bachs und Geländemodellierungen / Hochwasserschutzmauern zum Schutz vor Überflutung aus der Tiroler Achen erhielt Unterwössen einen technischen Hochwasserschutz. Im Einzugsgebiet des Wössener Baches wurden zusätzlich drei Wildholzrechen errichtet.

Video: Hochwasserschutz am Beispiel Unterwössen

Hochwasser 2002 und die Folgen

Kurz nachdem die Planung für den Hochwasserschutz der Gemeinde Unterwössen offiziell vorgestellt wurde, trat am 12. August 2002 nach ergiebigen Niederschlägen infolge einer sog. Vb-Wettterlage die Tiroler Achen über die Ufer und überflutete weite Teile von Unterwössen. Dieses Hochwasserereignis, obwohl nur mit einer statistischen Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 20 bis 50 Jahren, zeigte die Notwendigkeit eines Hochwasserschutzes drastisch auf und verifizierte das berechnete Überschwemmungsgebiet auf (für Nichtbetroffene) eindrucksvolle Weise. Durch das Hochwasser kam es zu Schäden an über 100 Privathaushalten, etwa 20 Gewerbebetrieben sowie verschiedenen Infrastruktureinrichtungen mit einem Gesamtschaden in Höhe von etwa 3,5 Mio. €.

Hochwasser der Tiroler Achen am 12.08.2002 Bild vergrössern Hochwasser der Tiroler Achen am 12.08.2002

Hochwasser 2005 und die Folgen

Am 11. Juli 2005 kam es nach heftigen lokalen Niederschlägen (ca. 170 mm/24 h) zu verheerenden Überflutungen des Wössener Bachs in Unterwössen. Dank der bereits fertig gestellten Wildholzrechen im Einzugsgebiet kam es zu keinen Verklausungen. Die Wassermassen rissen dennoch 5 Stege über den Wössener Bach mit und führten zu Schäden an 230 Privathaushalten, 30 Gewerbebetrieben sowie Infrastruktureinrichtungen. Die Schäden aus diesem Hochwasserereignis beliefen sich nach Meldung der Gemeinde Unterwössen auf ca. 7,5 Mio. €. Tragisch für einige Bewohner von Unterwössen war, dass sie sowohl 2002 als auch 2005 von Überflutungen betroffen waren.

Hochwasser des Wössener Bachs am 11.07.2005 Bild vergrössern Hochwasser des Wössener Bachs am 11.07.2005

Projekterläuterung

Hochwasserschutz – Tiroler Achen

Geländemodellierungen

Zum Schutz von Unterwössen vor einem Hochwasser (HQ100) der Tiroler Achen waren Maßnahmen an zwei Stellen, die Geländemodellierung NORD und SÜD, notwendig. Geländemodellierungen sind an das Gelände angepasste Aufschüttung von Erdmaterial; hier mit einer max. Höhe von ca. 1,80 m. Die Böschungsneigungen wurden mit 1:8 sehr flach gewählt und sind somit landwirtschaftlich noch zu bewirtschaften. Der Hochwasserschutz erfolgt auf den Bemessungsabfluss mit Freibord.

Hochwasserschutzmauer

Im Bereich des Sportplatzes und der Tennisplätze wurde wegen Platzmangel eine Hochwasserschutzmauer mit einer Höhe von ca. 1,6 m gebaut.

Mobile Hochwasserschutzelemente

Sechs einzeln stehende Gebäude in Unterwössen, die wirtschaftlich nicht durch Deiche oder Mauern geschützte werden können, erhielten im Rahmen der Gesamtmaßnahme mobile Hochwasserschutzelemente.

Hochwasserschutz - Wössener Bach

Ausbau des Wössener Bachs (km 1,695 – km 2,230)

Der Ausbau des Wössener Baches erfolgte vom neuen Wildholzrechen bis zum Fehlbachweg für einen Abfluss von 75 m3/s mit Freibord. Die vorhandenen 15 Querbauwerke wurden entfernt und durch 4 Sohlgleiten ersetzt. Um den erforderlichen Abflussquerschnitt zu schaffen, wurde die Bachsohle verbreitert und eingetieft. Die Böschungsneigungen wurden versteilt.

Entlastung des Wössener Baches

Ein Hochwasserausbau des Wössener Bachs durch die Ortschaft ist durch den dicht bebauten Ortskern von Unterwössen ist nicht möglich. Daher wird ein Großteil des Hochwassers bereits ab dem Fehlbachweg um den Ort herum geleitet.

Entlastungsbauwerk

Im Wössener Bach auf Höhe des Fehlbachwegs ist ein Entlastungsbauwerk errichtet worden. Dieses besteht aus einem 26m langen Streichwehr. Um beim Bemessungsereignis gewährleisten zu können, dass 25 m3/s durch das alte Bachbett und 50 m3/s über das Entlastungsbauwerk abfließen, wird über das weiterführende Gerinne ein senkrechtes Schütz errichtet.

Im Anschluss an das Wehr fließt das Wasser durch ein geschlossenes Entlastungsgerinne mit Trennwand. Dem Entlastungsgerinne folgt die Auslaufstrecke und das Tosbecken, dem sich dann eine Flutmulde anschließt. Diese innovative Lösung wurde in einem Modellversuch der TU München im Maßstab 1:20 nachgebaut. Die Funktionsweise wurde überprüft und durch verschiedene Maßnahmen optimiert.

Entlastungsbauwerk im Wössener Bach Bild vergrössern Entlastungsbauwerk im Wössener Bach

Flutmulde

Nach dem Tosbecken leitet eine Flutmulde das abgeschlagene Wasser des Wössener Bachs um die Ortschaft herum. Die Flutmulde besitzt eine Länge von 900 m und fasst einen bordvollen Abfluss von 503/s. Die Böschungen der Flutmulde wurden so ausgebildet, dass eine landwirtschaftliche Nutzung als Grünland weiterhin möglich ist. Querende Straßen wurden entweder als Furt ausgebildet oder werden mittels einer neuen Brücke über die Flutmulde geführt. Damit das Wasser der Flutmulde in den Vorfluter abfließen kann, wurde ein bestehender Deich der Tiroler Achen auf einer Länge von etwa 15 m geöffnet. Diese Öffnung des Deiches hat keine negativen Auswirkungen bei Hochwasser auf Bebauung.

Nach dem Auslaufen der Flutmulde ab dem Wertstoffhof fließt das umgeleitete Hochwasser des Wössener Baches über den vorhandenen Balsberggraben / Windseegraben zur Tiroler Achen. Zwanzig Meter unterhalb der Raitener Brücke wurde der rechtsseitige Deich der Tiroler Achen vor der Mündung des Balsberggrabens / Wildseegrabens geöffnet, um den Abfluss aus der Flutmulde abführen zu können.

Wildholz - und Geschiebefänge

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat die für den Hochwasserschutz Unterwössen erforderlichen Wildholz- und Geschiebefänge am Wössener Bach im Frühjahr 2005 fertig gestellt. Mit diesem ersten Bauabschnitt wurden im Oberlauf und in den Seitenbächen des Wössener Baches Bauwerke errichtet, um Wildholz und Geschiebe zurück zu halten.

Eine große Gefahr bei Hochwasser stellt immer wieder mitgetriebenes Wildholz dar. An Engstellen wie Brücken kommt es häufig zu sogenannten Verklausungen. Der Bachquerschnitt verlegt sich mit Treibholz, die Folge sind Überschwemmungen mit oft großen Schäden. Dieser Gefahr soll durch die gebauten Wildholzrechen vorgebeugt werden. So wurden im Einzugsgebiet des Wössener Baches 3 Wildholzrechen errichtet, am Hammerer Graben, am Kaltenbach bei der bestehenden Geschiebesperre und am Wössener Bach kurz vor der Ortschaft.

Wildholzrechen Kaltenbach Bild vergrössern Wildholzrechen Kaltenbach
Übersichtskarte Rechenstandorte Bild vergrössern Übersichtskarte Rechenstandorte